Mit der neuen Tarifstruktur Tardoc und den ergänzenden ambulanten Pauschalen sollen ambulante Behandlungen den stationären vorgezogen werden. Verschiedene Kritiker bemängeln, dieses Ziel werde verpasst – weil einige Pauschalen nicht kostendeckend seien.
Noch bevor die neue Tarifstruktur Tardoc eingeführt wurde, hagelt es Kritik. Verschiedene Akteure aus dem Gesundheitswesen fordern einen Marschhalt bei der Einführung der ambulanten Pauschalen. Diese würden offenkundige Mängel aufweisen, argumentieren beispielsweise die Mitglieder des Schweizer Dachverbands aller chirurgisch und invasiv tätigen Spezialärztinnen und -ärzte (FMCH). Die FMCH unterstützt den Tardoc als Einzelleistungstarif. Ihre Kritik richtet sich gegen die ambulanten Pauschalen. Diese seien in ihrer derzeitigen Ausgestaltung weder sachgerecht noch praxistauglich.
Tardoc hat rund 1300 Tarifpositionen, die einen Teil des Nachfolgesystems für Tarmed bilden. Zuvor wurden die Tarifpositionen auf gut 4500 reduziert und auf ca. 2600 zusammengefasst. Im neuen Tarifsystem gibt es damit wesentlich weniger Tarife für einzelne Leistungen als bisher. Das Ziel: Ambulante Behandlungen sollen wenn immer möglich stationären Behandlungen vorgezogen werden.
Dieses Ziel werde allerdings nicht erreicht, so die breite Kritik. Es wird vorgerechnet, dass einige der Pauschalen nicht kostendeckend seien. Aufwendige Eingriffe könnten unter dem neuen Tarif oft nicht kostendeckend durchgeführt werden, während einfache Operationen zu hoch vergütet würden. Tatsächlich profitieren vor allem technikintensive Bereiche von kontinuierlichen Effizienzsteigerungen. Diese Leistungen können dadurch überdurchschnittlich hoch vergütet werden.
In anderen Bereichen, wo Effizienzsprünge nicht möglich sind, können bei gleicher Vergütung die Leistungen nicht effizienter erbracht werden. Die daraus resultierenden Unterschiede führen langfristig zu Attraktivitätseinbussen einzelner Fachrichtungen und damit zu einer bereichsspezifischen Über- oder Unterversorgung.
Haltung des FGS: Auch wenn die Politik aufs Tempo drückt: Es wäre klug, die Einführung der Pauschalen bis 2027 aufzuschieben. Es sind mehrere hundert Änderungseinträge aus fast allen Fachbereichen bei der Tarifgesellschaft OAAT eingegangen. Diese sollten analysiert werden. Wo es nötig ist, muss nachgebessert werden.







