Pharmaindustrie: Die Schweiz verliert den Anschluss

In den vergangenen Jahren hat die Schweiz als Standort für die Pharmaindustrie an Boden verloren. Internationale Firmen investieren hierzulande kaum mehr in zusätzliche Produktionsstätten – stattdessen profitieren unsere Nachbarländer.

Die Diskussion über hohe Medikamentenpreise ist in der Schweiz allgegenwärtig. Durch die ständigen Drohgebärden aus den USA an die Adresse der Pharmaindustrie hat diese Diskussion noch einmal an Aktualität gewonnen. Gemäss Interpharma, dem Schweizer Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen, zahlen Schweizerinnen und Schweizer im internationalen Vergleich jedoch eher moderate Preise: Die Fabrikabgabepreise für innovative Medikamente machen in den USA 1,87 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. In der Schweiz sind es nur 0,43 Prozent.

Dass die Schweiz zum Referenzland für amerikanische Medikamentenpreise werden soll, ist keine gute Nachricht. Wenn die Schweiz als Benchmark für die USA dient, werden Medikamente bei uns nur noch zu mit den USA vergleichbaren Preisen angeboten – oder sie kommen gar nicht oder nur mit Verzögerung auf den Markt. Die Vorstellung, ein Hersteller würde seine Medikamente in einem kleinen Land wie der Schweiz weiterhin zu vergleichsweise niedrigen Referenzpreisen anbieten, ist illusorisch: Er würde damit ja den Preis im grössten Markt USA nach unten drücken. Diese neue internationale Referenzpreisbildung gefährdet die Verfügbarkeit innovativer Therapien in der Schweiz.

Unser Land muss aufpassen, dass es nicht eine seiner wichtigsten Industrien verliert. Als Standort für die Pharmabranche wird die Schweiz immer weniger attraktiv. Das jüngste Beispiel: Eine Drei-Milliarden-Dollar-Investition des amerikanischen Branchenriesen Eli Lilly. Das Unternehmen, das primär wegen seiner Abnehmspritze zum weltweit wertvollsten Pharmakonzern aufgestiegen ist, wird im niederländischen Leiden ein neues Produktionswerk errichten. Der japanische Pharmahersteller Daiichi Sankyo will bis 2030 rund 1 Milliarde Euro für den Ausbau seines bestehenden Produktions- und Forschungsstandorts in Pfaffenhofen bei München ausgeben. Und Novo Nordisk kündigte laut «NZZ» Milliardeninvestitionen in seiner dänischen Heimat an.

Klar ist: Die Politik von US-Präsident Donald Trump bringt das bisherige Businessmodell der Forschungs- und Wissensindustrie in Bedrängnis. Schon heute sind viele innovative Arzneimittel in der Schweiz nicht über die Spezialitätenliste verfügbar. Es liegt deshalb an der Politik, in der Diskussion nicht nur die Medikamentenkosten im Fokus zu behalten, sondern auch die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit neuen Therapien.

Haltung des FGS: Die Pharmaindustrie ist eine der wichtigsten Branchen in der Schweiz. 10% der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung (BIP) werden in diesem Sektor erwirtschaftet. Die volkswirtschaftliche Wertschöpfung und die hohen Steuerbeiträge der Pharmaindustrie liegen deutlich über den Kosten, die anfallen, um die Bevölkerung mit Gesundheitsgütern zu versorgen.

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