Forum Gesundheit Schweiz, Postfach 5236, 3001 Bern, T +41 13 390 98 98, contact@forumgesundheitschweiz.ch, Newsletter
 

Newsletter ausdrucken (pdf)

Prämien und Altersklassen

Systemlösung statt Schnellschuss

Noch bis vor wenigen Jahren war die Frage der Altersklassen im Prämiensystem tabu. Jetzt ist Bewegung in die Diskussion gekommen. Das Forum Gesundheit Schweiz hat diese Diskussion immer unterstützt.

Fakt ist, dass wir heute zwar ein auf dem Grundgedanken der Generationensolidarität ruhendes Prämiensystem haben – dass dieses aber wegen der demografischen Veränderung heute die Jungen und gerade jene, die in der Familienphase stecken, über Gebühr belastet. Hier muss die Politik einen Weg finden, der nicht über immer neue Prämiensubventionen führt. Vielmehr müssen grundsätzliche Änderungsvorschläge diskutiert werden. Zwei parlamentarische Initiativen wurden von den Kommissionen im Grundsatz begrüsst: Nationalrätin Ruth Humbel hat vorgeschlagen, die Kinder gänzlich von Prämien zu befreien; Nationalrat Stephan Rossini will junge Erwachsene entlasten und dafür die Prämienkategorien ändern. Richtigerweise haben die beiden Gesundheitskommissionen Anfang Juli entschieden, die Frist zur Umsetzung noch zu verlängern, um Umsetzungsvarianten ausarbeiten zu können – denn eine vollständige Prämienbefreiung von Kindern würde das Problem nicht lösen, sondern lediglich verlagern. Wir haben dies bereits an einer Veranstaltung des FGS im Jahre 2013 verdeutlicht:

  1. Die Umverteilung verschiebt sich wegen der Demografie weiter zum Nachteil der Jungen.
  2. Ein zukunftsfähiges System erfordert Anstrengungen aller Beteiligten. Die Verteilung der Lasten muss neu diskutiert werden – unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung.
  3. Ein (Prämien)system, welches Junge etwas weniger und Personen ab 40 etwas stärker belastet, könnte eine Diskussion wert sein.

 


 

Weniger Franchisen, tiefere Rabatte?

Bundesrat sendet falsches Signal

Der Bundesrat will gewisse Franchisen- Stufen abschaffen und auch die Prämienrabatte einschränken. Davon betroffen wären rund 9 Prozent aller Versicherten. Eine Vernehmlassung läuft. Die Vorschläge sollten am 1. Januar 2017 in Kraft treten.

Der Plan des Bundesrates ist allerdings unausgegoren: Einzig der Vermerk, Franchisen wie Rabatte trügen nicht merkbar zum kostenbewussten Verhalten bei, genügt nicht, diese zu beschneiden und damit gerade kostenbewusste Versicherte vor den Kopf zu stossen. Es ist nicht im Interesse von Patienten und Wahlfreiheit, wenn der Staat so weitreichend in ein bewährtes – und beliebtes – System eingreift. Dabei verpasst der Bundesrat genau jenen Entscheid, der wohl wirken würde: Nachhaltiger wäre eine Verlängerung der Vertragsdauer der Wahlfranchisen auf z. B. 3 Jahre. Dies würde verhindern, dass Versicherte allenfalls von Fall zu Fall jährlich die Franchise wechseln.

Das FGS lehnt die Vorlage deshalb ab: Die höchste Franchise von 2500 Franken bliebe zwar bestehen, doch der Bundesrat will die Rabatte deutlich senken – er straft damit jene, die hohe Eigenverantwortung auf sich nehmen: Der maximale Prämienrabatt bei 2500 Franken dürfte nur noch 50 Prozent des gegenüber der Minimalfranchise zusätzlich übernommenen Risikos betragen, also 1100 Franken. (Bis anhin war ein Rabatt von 70 Prozent oder 1540 Franken möglich). Bei einer Franchise von 1500 Franken sänke der Rabatt von max. 840 auf 740 Franken.

Das FGS warnt: Es muss ein Kernziel guter Gesundheitspolitik sein, beste Qualität zum fairen Preis zu erlangen – und dies so zu organisieren, dass Patienten möglichst selbstverantwortlich und frei wählen und handeln können. Gute Anreize für den haushälterischen Umgang mit Prämiengeldern begrüssen wir, jedoch nicht ausschliesslich zu Lasten jener Personen, die dies bereits heute praktizieren.

 


 

Mehr ausgewiesene Gesundheits-Fachkräfte

Keine Lösung via staatliche Massnahmen

In unserem letzten Newsletter (Juni 2015) kündigten wir an, das im Sommer seitens des Bundesrates fällige Update zur Fachkräfteinitiative im Bereich der Fachkräfte für das Gesundheitswesen näher zu analysieren – gerade mit Blick auf die Frage, ob denn der staatliche Massnahmen-Katalog im Bereich der Gesundheitsberufe tatsächlich für eine Entspannung namentlich auf der tertiären Stufe sorgen kann.

Der Bundesrat ist nun der Meinung, der Masterplan «Bildung Pflegeberufe» habe die Ziele – die Steigerung der inländischen Ausbildungsabschlüsse in diesem Bereich – weitgehend erreicht. Tatsächlich hat sich die Zahl der Abschlüsse 2014 im Vergleich zu 2007 mehr als verdoppelt. Im tertiären Bereich aber, vor allem bei der Ausbildung von genügend Ärztinnen und Ärzten in der Schweiz, bleibt das Problem akut: Hier, so der Bundesrat, solle dann die Botschaft zu Bildung, Forschung und Innovation 2017 – 2020 helfen, welche im Frühjahr 2016 verabschiedet werden soll. Weil es sich dabei um eine übergeordnete Finanzierungsvorlage handelt, ist allerdings nicht davon auszugehen, dass der Mangel an in der Schweiz ausgebildeten Ärzten via BFI-Botschaft ausgeglichen werden kann. Richtig stellt der Bundesrat deshalb fest: «Handlungsbedarf besteht weiterhin». Seitens FGS betonen wir nochmals: Wenn die Kantone sich nicht stärker anstrengen, wird sich das Problem verschärfen. Gerade weil die Verfügbarkeit ausländischer Ärzte nicht gesichert ist, müssten sie ihrer Aufgabe in diesem Bereich besser nachkommen.

 


 

Krebsregistrierungs-gesetz willkommen

Register fördern die Qualität!

In den meisten Fällen muss das FGS gegen zu weit gehende Regulierung und gegen überbordende Gesetze ankämpfen. Wir freuen uns aber, dass die Gesundheitskommission des Nationalrats (SGK-N) im Juni einstimmig auf das Krebsregistrierungsgesetz eingetreten ist

Doch die grosse Arbeit steht erst an: Denn das Gesetz regelt lediglich, wie die Erhebung, Registrierung und Auswertung möglichst aussagekräftiger Daten in den Zuständigkeiten zu den Krebserkrankungen in der Schweiz zu organisieren ist. Die Kommission diskutiert die Details nach der Herbstsession. Das FGS betont dazu: Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz den immensen Rückstand aufholt, den sie international bei der Zugänglichkeit verlässlicher Daten über Gesundheitsleistungen hat. Das Schaffen und Unterhalten von Registern ist dabei zentral. Vergleiche aus anderen Ländern zeigen, wie sehr die Behandlungswege optimiert und die Behandlungen selbst verbessert werden können, wenn anhand jahrelang erhobener und bewerteter Daten dokumentiert werden kann, wie beispielsweise Krebserkrankungen verlaufen und welche Behandlungswege am erfolgversprechendsten sind. Nötig wären Register für einzelne Operationen, für Medtech-Produkte, für die einzelnen Krankheitsbilder usw. Alle Beteiligten im Gesundheitswesen müssen sich dafür einsetzen: Denn mit der Weigerung, den Vertragszwang aufzuheben, geht eine grosse Verpflichtung einher. Noch ist die Verfügbarkeit von qualitätsfördernden Messdaten in der Schweiz stark unterentwickelt. Das Krebsregister ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

 


 

Werden auch Sie Mitglied!


Das Forum Gesundheit Schweiz hält Sie informiert und lädt Sie regelmässig zu Veranstaltungen ein – im Interesse eines freiheitlichen Gesundheitswesens!

Wir freuen uns über Ihre Anmeldung.
Gerne senden wir Ihnen auch zusätzliche Unterlagen.

 

Hier können Sie diesen Newsletter abbestellen.

Editorial

Sehr geehrte Damen und Herren

Ich bin zuversichtlich, dass wir die laufenden Diskussionen in der Gesundheitspolitik in einigen Monaten so bilanzieren können: Die grossen Würfe gibt es auch im Gesundheitswesen nicht – aber wir sind einige entscheidende Schritte voran gekommen. So freue ich mich als Präsident des Forum Gesundheit Schweiz, dass Bewegung in die Fragen der Planung und Finanzierung von Spitälern gekommen ist. Sowohl auf nationaler Ebene wie in einzelnen Kantonen ist erkannt: Es kann nicht sein, dass die Prämienzahler wegen des heutigen Systems stetig mehr belastet werden, weil sie letztendlich die Kosten tragen, welche staatlich finanzierte Spitäler verursachen. Und endlich diskutieren wir ein Krebsregistergesetz, welches entscheidend ist, um die Behandlungsqualität heben und stetig verbessern zu können. Das FGS bearbeitet die Fragen einer echten Qualitätsförderung im Gesundheitswesen prioritär: Denn nur wenn es uns gelingt, einen echten Qualitätswettbewerb zu etablieren, werden Versicherte wie Patienten inskünftig fair und optimal versorgt. Dafür braucht es als Grundlage taugliche Register über Krankheitsbilder und Behandlungswege – und ein gut funktionierendes System, wie Qualität gemessen und bewertet wird. Der Staat setzt dafür lediglich die Rahmenbedingungen fest – die Arbeit und die Verantwortung obliegt der Gesundheitswirtschaft.

Ich freue mich deshalb, Sie nochmals an unsere September-Veranstaltung erinnern zu dürfen: Wir erfahren am 15. September im Hotel Bellevue Palace, wie gute Qualität – dem bottom-up-Ansatz folgend – erfolgreich etabliert werden kann. Denn: Der seitens des Bundesamtes für Gesundheit postulierte Weg, Qualität in der Gesundheitsversorgung mittels eines top-down-Vorgehens verwirklichen zu wollen, wird keinen Erfolg zeitigen. Prof. Dr. med. Michael Heberer, Mitglied der Spitalleitung des Universitätsspitals Basel und Vorstand des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ), zeigt Ihnen auf der Basis seiner eigenen Arbeit und Erfahrungen auf, wie Qualität in einem Gesundheitsbetrieb aufgebaut und gesichert wird.

Ich freue mich auf Sie und danke Ihnen für Ihre Unterstützung!
Alex Kuprecht, Präsident Forum Gesundheit Schweiz


Veranstaltungen

Das Forum Gesundheit Schweiz lädt Sie regelmässig zu gesundheitspolitischen Informationsveranstaltungen mit prominenten Referenten ein.
Tragen Sie sich die kommende Veranstaltung in Ihre Agenda ein.
Das Forum Gesundheit Schweiz in:
Sessionsanlass Herbst 2015
15. September 2015
ab 12.30 Uhr (Stehlunch)
bis 14.30 Uhr
Hotel Bellevue Palace Bern
Kochergasse 3 – 5, 3000 Bern 7

Wie entsteht gute Qualität
im Gesundheitswesen?


mit Prof. Dr. Michael Heberer,
stv. Direktor des Universitätsspitals Basel, Vorstand ANQ

Sessionsanlass Frühjahr 2016
März 2016
ab 12.30 Uhr (Stehlunch)
bis 14.30 Uhr

Angefragt: Bundesrat und Gesundheitsminister Alain Berset

Kü̈nftige Veranstaltungen, Medienmitteilungen und Positionspapiere finden Sie auf www.forumgesundheitschweiz.ch.